Ein Erdbeben der Stärke 5.0 hat in der Nacht zum 15. August die Provinz Granada erschüttert. Der Herd lag in nur zwei Kilometern Tiefe und damit außergewöhnlich flach — zu spüren war es bis Málaga, 83 Kilometer entfernt. Vorausgegangen waren vier kleinere Beben innerhalb von 16 Stunden.
Das Beben ereignete sich um 01:04:40 Uhr (23:04 UTC) mit dem Herd bei NE Alhendín, rund acht Kilometer von der Stadt Granada entfernt. Fünf unabhängige Messnetze haben es registriert, angeführt vom spanischen Instituto Geográfico Nacional.
Warum es so weit zu spüren war
Entscheidend ist nicht allein die Stärke, sondern die Tiefe. Mit zwei Kilometern lag der Herd praktisch direkt unter der Oberfläche. Die freigesetzte Energie hat kaum Gestein zu durchlaufen, bevor sie an der Oberfläche ankommt — deshalb wirkt ein flaches Beben deutlich heftiger als ein gleich starkes in 100 Kilometern Tiefe. Das erklärt, warum es noch an der Costa del Sol wahrgenommen wurde.
Vier Beben gingen voraus
Bemerkenswert ist, was dem Hauptbeben vorausging. Innerhalb von 16,4 Stunden wurden im Umkreis von weniger als fünf Kilometern vier weitere Beben gemessen: um 08:39 Uhr ein M1.9, um 18:43 Uhr ein M3.7, um 20:03 Uhr ein M2.2 und um 00:04 Uhr — exakt eine Stunde vor dem Hauptbeben — ein M2.3.
Rückblickend liest sich das wie eine klassische Vorbebenserie. Wichtig dabei: Als Vorbeben erkennbar sind solche Serien immer erst hinterher. Vorher lassen sie sich nicht von einem gewöhnlichen Schwarm unterscheiden, wie er in dieser Region regelmäßig auftritt. Eine Vorhersage war daraus nicht abzuleiten.
Warum sich die Zahlen geändert haben
Die ersten veröffentlichten Werte lauteten Stärke 4.8 in zehn Kilometern Tiefe. Innerhalb einer halben Stunde wurden sie auf 5.0 in zwei Kilometern korrigiert. Das ist der Normalfall: Die erste Lösung entsteht automatisch aus wenigen Stationen, danach kommen weitere Messnetze hinzu und ein Fachmann prüft nach. Gerade die Tiefe ist der Wert, der sich am häufigsten deutlich verschiebt.
Wie aktiv ist die Region?
Das Becken von Granada gehört zu den seismisch aktivsten Gebieten Spaniens. Unsere Messung zeigt dort 28 Beben in den vergangenen 30 Tagen und 72 in 100 Tagen — die allermeisten davon so klein, dass sie niemand spürt. Das Beben vom 15. August ist das stärkste, das wir dort seit Beginn unserer Aufzeichnung am 10. Mai 2026 erfasst haben.
Wie es weitergeht
Bis 01:45 Uhr wurden keine Nachbeben registriert. Nach einem Beben dieser Stärke in so geringer Tiefe sind kleinere Nachbeben in den folgenden Stunden und Tagen allerdings zu erwarten. Alle Beben in Echtzeit auf der Live-Karte von meteo365.es.
Datenstand: 15.08.2026, 01:45 Uhr MESZ (23:45 UTC). Quellen: IGN und vier weitere Messnetze.