Ozean

Höhere Meeresspiegel erhöhen das Überschwemmungsrisiko

NOAA warnt vor El Niño

Was ist El Niño und warum ist das wichtig?

Der Nationale US-Wetterdienst NOAA geht davon aus, dass sich bis Juli 2026 ein El Niño entwickeln und bis in den Winter hinein anhalten wird. Für viele Küstenregionen der USA könnte dies ein erhöhtes Risiko für sogenannte Hochwasser- oder Gezeitenüberschwemmungen bedeuten.

El Niño ist Teil eines natürlichen Klimamusters namens El Niño-Southern Oscillation (ENSO), das zwischen warmen (El Niño) und kühlen (La Niña) Phasen wechselt. Dieser Zyklus tritt etwa alle zwei bis sieben Jahre auf. Während eines El Niño schwächen sich die Passatwinde über dem tropischen Pazifik ab. Dadurch bewegen sich warme Wassermassen Richtung Osten zur amerikanischen Westküste.

Diese Erwärmung erhöht die Meerestemperaturen und den Meeresspiegel über mehrere Monate hinweg und beeinflusst Wetter- und Klimamuster weltweit.

Höhere Meeresspiegel erhöhen das Überschwemmungsrisiko

Eine der größten Folgen eines El Niño ist das steigende Risiko von Küstenüberschwemmungen. Durch die wärmeren Ozeane verschiebt sich der Pazifik-Jetstream weiter nach Süden, wodurch sich Stürme und Wetterlagen in den USA verändern.

An der Westküste der USA können höhere Meeresspiegel und starker Wellengang dazu führen, dass Flutwasser weiter ins Landesinnere vordringt als gewöhnlich. An der Atlantikküste lenkt El Niño häufig stärkere Stürme in Richtung der mittleren Atlantikstaaten, wodurch mehr Sturmfluten entstehen können. Gleichzeitig werden entlang der Golfküste und im Südosten der USA überdurchschnittliche Niederschläge erwartet.

NOAA-Wissenschaftler beobachten seit Jahrzehnten einen deutlichen Anstieg sogenannter „High Tide Flooding“-Ereignisse. Selbst im Vergleich zu den starken El-Niño-Phasen von 1982–1983 und 1997–1998 treten Überschwemmungen heute häufiger auf – vor allem aufgrund des langfristigen Meeresspiegelanstiegs.

NOAA warnt vor einer „doppelten Belastung“ für Küstenregionen

Laut NOAA-Ozeanograf William Sweet, Ph.D., entsteht durch die Kombination aus steigendem Meeresspiegel und einem starken El Niño eine besonders gefährliche Situation für Küstengemeinden.

„Es ist meist ein doppelter Schlag“, erklärt Sweet mit Blick auf die intensiven El-Niño-Ereignisse von 2015–2016 und 2023–2024, die deutlich häufiger Überschwemmungen verursachten.

Der erste Faktor ist der jahrzehntelange Anstieg des Meeresspiegels, wodurch viele Küstenregionen bereits nahe an kritischen Hochwassergrenzen liegen. Der zweite Faktor ist ein möglicher starker El Niño, der hohe Gezeiten, Sturmfluten und Überschwemmungen zusätzlich verstärken kann.

Sollte sich El Niño bis Ende 2026 weiter intensivieren, warnen Experten vor häufigeren, stärkeren und großflächigeren Überschwemmungen an den Küsten der USA während der kommenden Wintersaison.