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Atlantik 2026: noch kein Hurrikan – Rekord von 2002 und 2013 gefallen

Stand 12. September 2026: Zum Höhepunkt der Saison hat sich über dem Atlantik noch kein einziger Hurrikan gebildet – so spät wie nie seit 1966.

Bildquelle/Grafik: meteo365.es – CAMS/Copernicus, Staub-Aerosole, 12.09.2026
meteo365.es erklärt: Naturereignisse einfach verstehen

Ausgerechnet zum klimatologischen Höhepunkt der atlantischen Hurrikansaison herrscht über dem tropischen Atlantik eine bemerkenswerte Ruhe. Bis zum heutigen 12. September hat sich in der gesamten Saison 2026 noch kein einziger Hurrikan entwickelt. Damit ist ein Rekord gefallen, der seit Beginn der modernen Satellitenüberwachung im Jahr 1966 Bestand hatte.

Noch außergewöhnlicher: Auch für die kommenden Tage zeichnet sich derzeit keine unmittelbar bevorstehende Hurrikanentwicklung ab. Das National Hurricane Center (NHC) meldet aktuell keinen tropischen Wirbelsturm und keine Störung mit Entwicklungspotenzial im Atlantik.

Rekord seit 1966: der späteste Hurrikan-Start der Satellitenära

Seit 1966 lässt sich das Geschehen über dem Atlantik dank Satelliten nahezu lückenlos verfolgen. In diesem Zeitraum lag der bisher späteste Termin für die Entstehung des ersten Hurrikans einer Saison am 11. September. Dies geschah in den Jahren 2002 und 2013.

2026 hat diese Marke nun überschritten. Der 12. September ist erreicht – und der Atlantik steht weiterhin bei:

0 Hurrikans. 0 Major Hurricanes.

Damit erlebt der Nordatlantik den spätesten Start in die Hurrikanaktivität der gesamten modernen Satellitenära.

Dabei war die Saison keineswegs völlig ohne tropische Aktivität. Nach der aktuellen Bilanz des NHC entstanden bislang fünf benannte Tropenstürme: Arthur, Bertha, Cristobal, Dolly und Edouard. Keiner von ihnen erreichte jedoch Hurrikanstärke. Bis zum 11. September lag die sogenannte Accumulated Cyclone Energy (ACE), ein Maß für Dauer und Intensität tropischer Wirbelstürme, bei lediglich 4,4 – rund 93 Prozent unter dem Normalwert für diesen Zeitpunkt.

Die Hurrikansaison 2026 in Zahlen

Nordatlantik · Stand 12. September 2026

0

Hurrikans

bisher in der gesamten Saison

NOAA-Prognose für die ganze Saison: 2–6

0

schwere Hurrikans

Major Hurricanes, Kategorie 3 und höher

NOAA-Prognose: höchstens 2

5

benannte Tropenstürme

NOAA-Prognose: 7–13

Namen anzeigen

Arthur · Bertha · Cristobal · Dolly · Edouard
Keiner von ihnen erreichte Hurrikanstärke.

4,4

ACE bis 11. September

Accumulated Cyclone Energy – Maß für Dauer und Stärke tropischer Wirbelstürme: rund 93 % unter dem Normalwert

2026Normalwert
Quellen: National Hurricane Center (NOAA), NOAA Climate Prediction Center

Ruhe zum Höhepunkt der Hurrikansaison

Das macht die Situation besonders bemerkenswert. Die atlantische Hurrikansaison dauert offiziell vom 1. Juni bis 30. November. Statistisch erreicht ihre Aktivität jedoch um den 10. September ihren Höhepunkt.

Normalerweise herrscht jetzt Hochbetrieb zwischen der westafrikanischen Küste, den Kapverden, der Karibik und dem Golf. Tropische Wellen ziehen von Afrika auf den Atlantik hinaus, das Meer ist sehr warm und die Bedingungen für die Bildung tropischer Wirbelstürme sind häufig besonders günstig.

2026 präsentiert sich ein völlig anderes Bild.

Das NHC meldete in seinem aktuellen Lagebericht vom 12. September: Im Atlantik befinden sich keine tropischen Wirbelstürme. Auch in der Sieben-Tage-Vorschau wird derzeit keine relevante tropische Störung geführt.

Ruhe mitten im Höhepunkt der Saison

Atlantische Hurrikansaison: 1. Juni bis 30. November

104 von 183 Tagen der Saison sind vorbei – ohne einen einzigen Hurrikan.

Die entscheidenden Tage – antippen

12. September – heute: 2026 noch immer ohne Hurrikan. Der späteste Start der gesamten Satellitenära.

Quelle: National Hurricane Center (NOAA)

Saharastaub über dem Atlantik: was die meteo365.es-Aerosolkarte zeigt

Ein Blick auf unsere aktuelle meteo365.es Aerosolkarte auf Basis von CAMS/Copernicus ist in diesem Zusammenhang besonders interessant.

Die Grafik vom 12. September 2026, 11 MESZ, zeigt einen ausgeprägten Transport von Saharastaub und Wüstenaerosolen von Westafrika hinaus auf den tropischen Atlantik. Besonders vor der Küste Mauretaniens und Senegals sind hohe Aerosolkonzentrationen zu erkennen. Eine breite Staubfahne erstreckt sich anschließend weit nach Westen über den Atlantik.



Genau diese Region ist meteorologisch von großer Bedeutung: Von Westafrika ziehen die sogenannten African Easterly Waves auf den Atlantik. Aus diesen tropischen Wellen entwickeln sich während einer normalen Saison zahlreiche Tropenstürme und Hurrikans.

Saharastaub kann tropische Entwicklungen ausbremsen

Welche Rolle solche Staubausbrüche spielen können, erläuterte der Deutsche Wetterdienst bereits in einem „Thema des Tages“ vom 15. August 2024.

Damals war die Situation beinahe das Gegenstück zu 2026: Hurrikan Ernesto zog durch den Atlantik. Der DWD erklärte dabei, warum große Saharastaubausbrüche insbesondere die Entstehung und Intensivierung noch schwacher tropischer Systeme behindern können.

Mit dem Staub wird häufig die sogenannte Saharan Air Layer (SAL) über den Atlantik transportiert – eine sehr trockene, warme und staubreiche Luftmasse in der mittleren Troposphäre. Die Aerosole beeinflussen zudem den Strahlungshaushalt der Atmosphäre. Dadurch kann eine relativ stabile und ausgesprochen trockene Luftschicht entstehen.

Für ein junges tropisches Tief ist das alles andere als ideal.

Tropische Wirbelstürme benötigen über viele Kilometer hinweg hochreichende, organisierte Gewitter. Wird trockene Luft in diese Gewitterkomplexe eingemischt, verstärkt sich die Verdunstung von Wolken- und Niederschlagswasser. Die Konvektion kann geschwächt werden oder teilweise zusammenbrechen. Der DWD beschrieb 2024 deshalb Saharastaub als einen Faktor, der die Intensivierung tropischer Tiefs und schwächer organisierter Wirbelstürme deutlich behindern kann.

Wie Saharastaub Hurrikans ausbremsen kann

Vereinfachter Querschnitt vom tropischen Atlantik bis Westafrika

Saharan Air Layer trocken · warm · staubreich Afrikanische Ostwellen feuchte Meeresluft ← Westen Osten → Atlantik Westafrika Mauretanien · Senegal

Mit dem Saharastaub zieht die Saharan Air Layer (SAL) über den Atlantik – eine sehr trockene, warme und staubreiche Luftmasse in der mittleren Troposphäre. Die Aerosole beeinflussen zudem den Strahlungshaushalt; so kann eine relativ stabile, ausgesprochen trockene Luftschicht entstehen.

Schematische Darstellung, nicht maßstabsgetreu · nach DWD, „Thema des Tages" vom 15. August 2024

El Niño und Windscherung: warum der Staub allein nicht reicht

So verlockend die Verbindung zwischen unserer aktuellen Staubkarte und der außergewöhnlich schwachen Saison erscheint: Der Saharastaub ist nur ein Teil des meteorologischen Puzzles.

2026 wirkt vor allem eine Kombination mehrerer ungünstiger Faktoren gegen die Entwicklung von Hurrikans. Dazu gehören trockene Luft, überdurchschnittlicher Luftdruck und ungünstige Höhenwinde beziehungsweise erhöhte vertikale Windscherung. Eine entscheidende großräumige Rolle spielt außerdem das kräftige El-Niño-Ereignis.

El Niño verändert die atmosphärische Zirkulation in den Tropen und erhöht typischerweise die Windscherung über Teilen des Atlantiks. Vereinfacht gesagt weht der Wind in unterschiedlichen Höhen stärker aus unterschiedlichen Richtungen oder mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten.

Für einen Hurrikan ist das problematisch. Seine Gewitter müssen sich möglichst senkrecht um das Zirkulationszentrum organisieren können. Starke Windscherung kann diesen Aufbau regelrecht auseinanderziehen.

Warum Windscherung einen Hurrikan zerreißt

Umschalten und vergleichen

Höhe Wind Zirkulationszentrum

Der Wind weht in allen Höhen ähnlich. Die Gewitter können sich senkrecht um das Zirkulationszentrum organisieren – der Sturm kann sich verstärken.

Schematische Darstellung, nicht maßstabsgetreu
NOAA hatte deshalb seine Saisonprognose bereits im August deutlich nach unten korrigiert beziehungsweise eine 75-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine unterdurchschnittliche Saison angegeben. Erwartet wurden 7 bis 13 benannte Stürme, davon 2 bis 6 Hurrikans und höchstens zwei Major Hurricanes.

Warmes Meer allein macht noch keinen Hurrikan

Die Saison 2026 demonstriert damit eindrucksvoll einen meteorologisch wichtigen Punkt: Hohe Wassertemperaturen allein reichen für einen Hurrikan nicht aus.

Ein tropischer Wirbelsturm braucht gleichzeitig ausreichend warmes Wasser, hohe Luftfeuchtigkeit, eine instabile Atmosphäre, geringe vertikale Windscherung, eine vorhandene atmosphärische Störung und genügend Abstand zum Äquator, damit die Corioliskraft eine organisierte Rotation unterstützt.

Fehlt nur einer dieser Bausteine deutlich, kann eine Entwicklung scheitern. 2026 fehlen zeitweise gleich mehrere.

Genau deshalb können selbst über einem warmen tropischen Atlantik Gewittergebiete entstehen und wieder zerfallen, ohne jemals ein geschlossenes tropisches Zirkulationszentrum aufzubauen.

Was ein Hurrikan braucht – und was 2026 fehlt

Zum Aufklappen antippen

Warmes Meerwasservorhanden

Das Meer ist sehr warm. Doch hohe Wassertemperaturen allein reichen für einen Hurrikan nicht aus.

Hohe Luftfeuchtigkeitgestört

Die Saharan Air Layer bringt sehr trockene Luft in die mittlere Troposphäre über dem Atlantik.

Instabile Atmosphäregestört

Staub und trockene Luft können eine relativ stabile Luftschicht bilden. Hochreichende Gewitter entstehen dann schwerer.

Geringe Windscherunggestört

Das kräftige El-Niño-Ereignis erhöht die Windscherung über Teilen des Atlantiks und zieht junge Stürme auseinander.

Eine atmosphärische Störungderzeit keine

Das National Hurricane Center führt aktuell keine tropische Störung mit Entwicklungspotenzial im Atlantik.

Abstand zum Äquatorgegeben

Genug Abstand zum Äquator, damit die Corioliskraft eine organisierte Rotation unterstützt.

Quellen: National Hurricane Center (NOAA), Deutscher Wetterdienst

Gegensatz zu 2024: damals zog bereits Hurrikan Ernesto

Der Vergleich mit dem DWD-Beitrag von 2024 macht die aktuelle Situation besonders anschaulich.

Am 15. August 2024 existierte mit Ernesto bereits ein Hurrikan. Der DWD diskutierte damals, wie Saharastaub die Entwicklung tropischer Systeme beeinflusst und unter welchen Umständen ein bereits gut organisierter Hurrikan anders auf Aerosole reagieren kann als ein junges, noch ungeordnetes System.

2026 sieht die Bilanz fast einen Monat später völlig anders aus:

12. September – und noch immer kein Hurrikan.

Das ist seit mindestens 1966 beispiellos.

Endet die Hurrikansaison 2026 ohne Hurrikan?

Nein. Dafür ist es viel zu früh.

Die Hurrikansaison läuft noch bis 30. November, und auch im Oktober können starke Hurrikans entstehen. Historische Aufzeichnungen aus der Zeit vor der flächendeckenden Satellitenbeobachtung enthalten sogar Jahre mit extrem spätem Saisonstart. 1905 wurde der erste registrierte Hurrikan beispielsweise erst am 7. Oktober beobachtet; 1907 und 1914 wird überhaupt kein Hurrikan geführt. Allerdings sind diese frühen Aufzeichnungen wegen der damals fehlenden Satellitenbeobachtung nicht unmittelbar mit der modernen Ära vergleichbar.

Die spätesten Saisonstarts

Datum des ersten Hurrikans einer Saison im Atlantik

2002
11. September
2013
11. September
2026
bis 12. September noch kein Hurrikan ?

Seit 1966 lässt sich der Atlantik dank Satelliten nahezu lückenlos verfolgen. 2026 hat die bisherige Marke vom 11. September überschritten.

Quelle: National Hurricane Center (NOAA)
Deshalb bedeutet der aktuelle Rekord ausdrücklich nicht, dass die Gefahr für die Karibik, die USA oder die Inseln des tropischen Atlantiks für den Rest der Saison gebannt wäre. Ein einziges günstiges Zeitfenster kann ausreichen, um die Situation innerhalb weniger Tage grundlegend zu verändern.

Fazit: Ein historischer 12. September auf dem Atlantik

Die Hurrikansaison 2026 schreibt bereits jetzt Wettergeschichte. Noch nie seit Beginn der zuverlässigen Satellitenüberwachung im Jahr 1966 musste man so lange auf den ersten atlantischen Hurrikan warten.

Der bisherige Rekord vom 11. September aus den Jahren 2002 und 2013 ist gefallen. Gleichzeitig zeigt die aktuelle meteo365.es-Grafik ausgedehnte Saharastaub- und Aerosoltransporte über Teile der klassischen Entwicklungsregion des tropischen Atlantiks. Zusammen mit trockener Luft, ungünstigen Höhenwinden und dem kräftigen El Niño entsteht derzeit eine ausgesprochen feindliche Umgebung für tropische Wirbelstürme.

Und vorerst bleibt es ruhig: Das National Hurricane Center führt aktuell keine tropische Störung mit Entwicklungspotenzial im Atlantik.

Doch die Saison ist noch lange nicht vorbei. Gerade deshalb werden wir bei meteo365.es den tropischen Atlantik, die Saharastaubentwicklung und die Wettermodelle in den kommenden Wochen besonders aufmerksam verfolgen.

Quellen: National Hurricane Center (NOAA), NOAA Climate Prediction Center, Deutscher Wetterdienst (DWD), CAMS/Copernicus
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