Zwei Bilder, zwei Blickrichtungen — und beide haben recht
Auf der Karte kannst du zwischen Radar und Satellit umschalten. Beide zeigen Wetter, aber sie messen etwas ganz Verschiedenes: Das Radar misst Niederschlag vom Boden aus, der Satellit fotografiert Wolken aus dem All. Deshalb kann es Wolken ohne Regen geben — und Regen ohne auffällige Wolke im Satellitenbild.
Die kurze Antwort
Wenn du nur einen Satz mitnimmstWillst du wissen, ob es jetzt gleich regnet?
Nimm das Radar. Es zeigt Niederschlag direkt und aktualisiert sich alle fünf Minuten.
Willst du sehen, wie das Wetter großräumig aussieht?
Nimm den Satelliten. Er zeigt Wolkenfelder, Fronten und Tiefdruckwirbel im Zusammenhang.
Von untenWas das Radar macht
Ein Wetterradar steht auf der Erde und sendet kurze Funkimpulse schräg nach oben. Trifft so ein Impuls auf Regentropfen, Schneeflocken oder Hagelkörner, wird ein Teil davon zurückgeworfen. Aus der Laufzeit ergibt sich die Entfernung, aus der Stärke des Echos die Niederschlagsintensität.
Das Radar misst also keine Wolken, sondern das, was aus ihnen herausfällt. Eine dichte, aber trockene Wolkendecke ist für das Radar unsichtbar — im Bild bleibt die Fläche leer, obwohl der Himmel grau ist.
Von obenWas der Satellit macht
Ein Wettersatellit steht rund 36.000 Kilometer über dem Äquator und blickt fest auf dieselbe Erdscheibe. Er misst das Licht und die Wärmestrahlung, die von oben ankommen — daraus entstehen die Bilder, die aussehen wie ein Blick aus dem Weltall.
Der Satellit sieht deshalb vor allem Wolkenoberseiten. Was darunter passiert, bleibt ihm verborgen: Ob aus einer Wolke Regen fällt, kann er nur abschätzen — etwa daran, wie kalt und wie hoch ihre Oberseite ist. Dafür sieht er die ganze Erdscheibe auf einmal, auch über Ozeanen und Wüsten, wo kein einziges Radar steht.
Direkt nebeneinander
Dieselbe Frage, zwei Antworten| Radar | Satellit | |
|---|---|---|
| Misst | Niederschlag — Regen, Schnee, Hagel | Wolken und Wärmestrahlung |
| Blickrichtung | vom Boden schräg nach oben | aus dem All senkrecht nach unten |
| Erneuert sich | alle 5 Minuten | alle 10 Minuten |
| Abdeckung | nur wo Radartürme stehen — bei uns Europa und USA | flächendeckend — bei uns Europa und USA |
| Stärke | zeigt genau, wo und wie stark es regnet | zeigt Fronten, Tiefs und Wolkenfelder im Zusammenhang |
| Schwäche | sieht keine trockenen Wolken; Berge werfen Schatten | sagt nicht sicher, ob Regen ankommt |
| Vorhersage | ja, bis +60 Minuten aus der Bewegung der Echos | nein — der Satellit zeigt den Ist-Zustand |
| Nachts | unverändert gut | ja, über die Wärmestrahlung |
Wenn es sich widersprichtWarum die beiden Bilder auseinandergehen
Es kommt regelmäßig vor, dass der Satellit eine dicke Wolke zeigt und das Radar an derselben Stelle nichts meldet. Das ist kein Fehler, sondern der Normalfall: Nicht aus jeder Wolke fällt etwas heraus. Umgekehrt kann leichter Nieselregen aus flachen Wolken fallen, die im Satellitenbild kaum auffallen.
Und es gibt einen dritten Fall: Regen, der unterwegs verdunstet. Das Radar sieht ihn oben in der Luft, am Boden kommt aber nichts an.
Was beide nicht können
Ehrlich bleibt ehrlichRadar: Löcher in der Abdeckung
Radar reicht nur einige hundert Kilometer weit, und Berge werfen Schatten. Über dem offenen Atlantik gibt es kein Radarbild.
Radar: nicht überall auf der Welt
Wir bekommen Radardaten aus Europa und den USA.
Satellit: flacher Blickwinkel
Je weiter weg vom Äquator, desto schräger schaut der Satellit — Wolken erscheinen dann versetzt und verzerrt.
Satellit: keine Blicke unter die Decke
Über einer hohen Wolkendecke sieht der Satellit nicht, was darunter passiert. Ein Gewitter unter Cirren erkennt man erst am Radar.
Woher unsere Bilder kommen
Quellen im KlartextRadar Europa
Ein Verbund nationaler Wetterdienste — unter anderem DWD, AEMET, Météo-France und Met Office. Wir setzen die Einzelbilder zu einem europäischen Gesamtbild zusammen.
Radar USA
NOAA MRMS, das landesweite US-Radarnetz.
Satellit Europa
EUMETSAT, die europäischen Wettersatelliten. Daraus kommen auch die abgeleiteten Produkte wie Wolkenart, Regenrate und Wolkenobergrenze.
Satellit Amerika
NOAA GOES, die amerikanischen Wettersatelliten.
Beides auf einer Karte
Auf der Wetterkarte schaltest du mit einem Klick zwischen Radar und Satellit um — und legst Blitze oder Wolken darüber.